Was eine Wärmepumpe braucht
Eine Wärmepumpe arbeitet effizient, wenn sie mit niedriger Vorlauftemperatur auskommt. Idealwerte:
- Optimal: 35 °C (Fußbodenheizung)
- Akzeptabel: 45 °C (große Heizkörper)
- Grenzwertig: 55 °C (Standard-Radiatoren bei gut gedämmtem Haus)
- Nicht sinnvoll: > 60 °C (alte Radiatoren in ungedämmtem Haus)
Pro 5 °C niedrigere Vorlauftemperatur sinkt der Stromverbrauch der Wärmepumpe um 10–15 %.
Die 4 Faktoren, die entscheiden
1. Dämmstandard
Pflicht: Mindestens Dach-Dämmung und 2-fach verglaste Fenster. Empfohlen: Außenwanddämmung 12 cm WDVS oder gleichwertig. Bei unsaniertem Massivbau aus den 60ern ohne Dämmung: Wärmepumpe nicht wirtschaftlich, ohne dass Sie zusätzlich dämmen.
2. Heizflächengröße
Alte Radiatoren der 70er sind oft zu klein, um bei 45 °C ausreichend Wärme abzugeben. Lösung: Größere Heizkörper einbauen (Niedertemperatur-Modelle) oder ergänzend Fußbodenheizung in den Hauptaufenthaltsräumen nachrüsten.
3. Warmwasserbedarf
Wärmepumpen sind beim Warmwasser ineffizient (60 °C Vorlauf nötig wegen Legionellen-Schaltung). Wer viel duscht: zusätzlichen Boiler mit Solarthermie oder Frischwasserstation einplanen — sonst frisst Warmwasser-Heizen die ganze Effizienz auf.
4. Aufstellort
Außengerät braucht 3 m Abstand zur Nachbargrenze (Geräusche) und 30 cm Sockel-Höhe. Innengerät braucht Platz für 200-Liter-Speicher (ca. 60 × 60 cm Standfläche).
Realistische JAZ-Werte im Bestand
Die JAZ (Jahresarbeitszahl) beschreibt, wie viel Wärme aus 1 kWh Strom kommt. Erst ab JAZ ≥ 3,0 ist die Wärmepumpe wirtschaftlich:
- Gut sanierter Altbau, Fußbodenheizung: JAZ 3,8–4,5 ★★★★★
- Teilsanierter Altbau, große Heizkörper: JAZ 3,2–3,7 ★★★★
- Standardaltbau, alte Heizkörper: JAZ 2,8–3,2 ★★ (grenzwertig)
- Unsanierter Altbau, kleine Heizkörper: JAZ 2,0–2,6 ★ (nicht sinnvoll)
Wenn ein Heizungsbauer ohne Lastberechnung sofort eine Wärmepumpe empfiehlt — Vorsicht. Eine ehrliche Bewertung beginnt mit der Heizlast-Berechnung nach DIN EN 12831.
Was wir empfehlen, wenn die Voraussetzungen nicht passen
- Zuerst dämmen: Dachdämmung + Fenster austauschen. Reduziert Heizlast um 25–40 %.
- Größere Heizkörper: Niedertemperatur-Modelle, gleichzeitig mit der Wärmepumpe einbauen.
- Hybrid-Lösung: Wärmepumpe für 70 % Grundlast, Gas-Brennwert für Spitzenkälte. Kostet 5.000 € mehr, aber funktioniert im unsanierten Bestand.
- Im Extremfall: Pellet statt Wärmepumpe. Bei ungedämmtem 70er-Haus oft die wirtschaftlichere Option.
Der wichtigste Tipp
Lassen Sie einen Energieberater vor der Heizungsentscheidung ins Haus. 1.500 € Beratung kann 10.000–15.000 € Fehlinvestition verhindern. Wir arbeiten mit zwei festen Energieberatern in Schwetzingen und Heidelberg zusammen.
Wir kommen vor Ort, machen eine Erstabschätzung und sagen Ihnen, ob Wärmepumpe Sinn macht — oder ob Sie besser eine andere Variante wählen.
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