Was ist Schwarzkleber?
Schwarzkleber ist ein bitumenhaltiger Klebstoff, der harzig-schwarz aussieht und im warmen Zustand verarbeitet wurde. Er wurde unter PVC-Belägen, Linoleum, Cushion-Vinyl und teilweise auch unter klassischen Steingut-Bodenfliesen verlegt — besonders in Küchen, Bädern, Fluren und Kellern von Gebäuden der 1960er und 70er Jahre.
Asbestanteil: typischerweise 10–60 %, je nach Hersteller und Charge.
Warum ist es besonders gefährlich?
Der Asbest in Schwarzkleber liegt fest gebunden vor — solange der Belag intakt ist, gehen keine Fasern an die Luft. Aber: Sobald gestemmt, abgeschliffen oder die Fliesen mit Hammer und Meißel entfernt werden, brechen die Faserbindungen und es entstehen extrem hohe Faserkonzentrationen in der Raumluft. Ein einziger Arbeitstag mit nicht-fachgerechtem Aufstemmen kann höhere Faserwerte verursachen als der jahrelange Aufenthalt in einem völlig unsanierten Asbestdach-Lager.
Wie Sie es erkennen können
Es gibt zwei häufige Erkennungsmerkmale, aber Sicht allein reicht nicht:
- Schwarz-bräunliche, harzige Substanz auf dem Estrich nach Entfernung des Bodenbelags
- Süßlicher Geruch beim Erwärmen (kommt vom Bitumen)
- Häufigster Verdachtsfall: Cushion-Vinyl-Beläge der 70er — diese sind fast immer mit Schwarzkleber verlegt
Sicherheit gibt nur eine Materialprobe im Labor — Kosten ca. 60–120 €.
Sanierungsoptionen
Variante 1: Überdecken (Encapsulation)
Wenn der Belag intakt ist und der Estrich darunter eben bleiben kann: Neuen Bodenaufbau einfach darüber legen (schwimmender Estrich, Trockenestrich-Platten oder dichte Folie + neuer Bodenbelag). Pro: Günstig (5–15 €/m²), kein Asbest-Sanierungsaufwand. Con: Aufbauhöhe steigt um 2–4 cm — bei niedrigen Türen problematisch.
Variante 2: Fachgerechte Entfernung nach TRGS 519
Schutzbereich einrichten, befallene Fläche staubarm aufnehmen mit Spezialmaschinen (Diamant-Trockenfräse mit HEPA-Direktabsaugung), anschließend Freimessung. Pro: Material endgültig weg, Bodenaufbau frei. Con: Aufwendig — typisch 90–180 €/m² Sanierungskosten.
Was Sie KEINESFALLS tun dürfen
- Mit Bohrhammer aufstemmen — der Klassiker für höchste Faserwerte
- Mit der Diamantschleifmaschine ohne Absaugung schleifen
- In den Hausmüll oder Bauschuttcontainer entsorgen — Sondermüll, Sammelstelle
- Selbst bohren, schrauben oder dübeln in den Estrich
Schwarzkleber ist DIE häufigste Asbest-Quelle bei privaten Renovierungen — und die häufigste Ursache für nachträglich entdeckte Faserbelastung in Wohnungen. Lassen Sie immer prüfen, bevor Sie alte Bodenbeläge entfernen.
Wann lohnt sich welche Variante?
- Überdecken: bei kleinen bis mittleren Flächen, wenn Aufbauhöhe okay ist
- Entfernung: bei großen Flächen, Komplettsanierung oder wenn Aufbauhöhe limitiert ist (z. B. Niedrig-Türen, Schwellenanschlüsse)
Wir machen vor Ort Probebohrungen, schicken die Probe ins Labor und beraten zur passenden Sanierungsvariante. Mit Kosten-Transparenz beider Wege.
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